744871337143732483

Januar 4, 2008

keiner versteht mich

Gespeichert unter: Allgemeines — Schlagworte: , , , , , , — 744871337143732483abc @ 15:15

Der Geburtstag eines Freundes. Wir unterhalten uns, ob wir vor einem Jahr, während des letzten Geburtstages Bowlen waren oder Schlittschuhlaufen. Ich bin mir zu 100% sicher, dass wir Bowlen waren. Vielleicht auch noch Schlittschuhlaufen, aber Bowlen auf jeden Fall. Einer fragt, warum ich mir so sicher sei.

„Wie kommst du darauf, dass wir Bowlen waren? Warum erinnerst du dich so gut?“

„Naja, willst du die Wahrheit hören, oder was wirklich passiert ist?“

„Die Wahrheit.“

„Franziska sah … nunja sie sah sehr sehr gut aus. Meiner Meinung nach perfekt.“

Alles lacht, nur Franziska nicht.

„Danke 74487.“

„Nichts zu danken. Eigentlich hätte ich mich bei dir bedanken müssen, dafür, dass ich dich an diesem Tag sehen durfte. Aber ich hab’s verpeilt. Das nächste mal werde ich mich bei dir bedanken. Du sahst nicht nur perfekt aus, du warst natürlich perfekt.“

Ich war mir nicht sicher, ob jemand das Wortspiel erkannt hatte.

Es meldete sich wieder einer von den anderen Jungs.

„Du fandest sie geil, nich wahr?“

„Ach Peter, da versuche ich hier mal eine Diskussion zu führen, die über dem default Niveau liegt, und dann kommst du und ziehst es durch den Dreck.“

„default Niveau??“

„Na das standard Niveau, das, was hier normalerweise herrscht.“

Entweder, sie wollten mich nicht verstehen, oder sie waren zu doof.

„Versteht mich denn keiner von euch?“

Allgemeines auf-die-Fingernägel-und-Füße-schaun.

Franziska meldete sich wieder zu Wort. Sie sah ein wenig besorgt aus.

„74487, Ich glaube, wir sind nicht die richtige Gesellschaft für dich.“

Nun stiegen mir auf unerklärliche Weise Tränen in die Augen. Ich wusste nicht, ob ich glücklich war, was mir sehr unwahrscheinlich vorkam, oder ob ich traurig war, wofür ich auch keinen Grund gefunden hätte.

„Aber du verstehst mich, oder?“

„Ja.“

Nun überschlugen sich in meinem Kopf die Gedanken. Sie verstand mich, aber sie war der Meinung, dass sie nicht die richtige Gesellschaft für mich wäre. Ich verspürte jäh das Verlangen sie in den Arm zu nehmen. Auch sie hatte nun einen Gesichtsausdruck, der sich nicht zuordnen ließ. Dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Sie kam auf mich zu und schlang ihr Arme um mich, drückte meinen Körper fest an sie. Franziska flüsterte mir ins Ohr.

„Wir sind nicht intelligent genug.“

Ich antwortete laut, so dass es jeder hören konnte.

„Schade, dass wir wieder mal an die Grenze der deutschen Sprache gestoßen sind.“

Dass das keiner verstanden hatte, vielleicht nicht einmal Franziska, war mir klar. Nun flüsterte ich, dass es nur Franziska hören konnte.

„Danke.“

Auf dem Weg nach draußen ging ich in der Küche vorbei und sah die Mutter des Geburtstagskindes, welche ich normalerweise dutze.

„Auf Wiedersehen Frau Müller, ich muss jetzt leider sehr dringend nach Hause. Das Essen war sehr lecker.“

Ich hatte auf ihren Scharfsinn vertraut und ich hatte mich nicht getäuscht. Schon als ich meine Schuhe angezogen hatte kam sie und stellte sich neben mich.

„Wer ist es?“

„Franziska.“

Es war ein Zeichen für meine Hilflosigkeit, dass ich einen anderen in die Sache miteinbezog, aber es ging nicht anders. Nun ging ich raus und versteckte mich vor dem Haus. Es wurde schnell dunkel. Die anderen Gäste würden bei dem Geburtstagskind schlafen, da war ich mir sicher. Also wartete ich bis es dunkel wurde und schlich mich spät in der Nacht zu dem Fenster, hinter dem, so weit ich wusste, alle schlafen würden. Und tatsächlich lagen sie alle dort und schliefen. Ich konnte Franziskas Gesicht sehen. Plötzlich öffnete sich die Augen und sah direkt in die meinigen. Vor Schreck wäre ich beinahe vom Abflussrohr gefallen, an dem ich mich festhielt. Franziska hob indessen ihr Handy und bedeutete mir, dass ich wieder runtergehen und auf mein Handy schauen sollte.

„Garten.“

Natürlich antwortete ich ihr sofort, auch wenn es ein kleines Risiko war, denn sie hätte ihr Handy auch auf nicht-lautlos haben können.

„Danke.“

Ich ging in den Garten und wartete. Zwei Minuten später, es waren die längsten zwei Minuten meines Lebens, sah ich sie aus dem Badezimmerfenster klettern. Dann rannte sie über den Rasen auf mich zu und schloss mich in ihr Arme.

„Liebst du mich?“

„Ja.“

Mir liefen Tränen über die Wangen, denn ich wusste was jetzt kommt.

„Ich kann nicht weg, du musst dich entscheiden. Es tut mir leid.“

Entweder ich blieb bei ihr und den anderen, in der Gesellschaft, die eindeutig nicht richtig für mich war, oder ich ging als ein freier Mensch und suchte Gesellschaften, in denen ich mich auf einem annehmbaren Niveau unterhalten konnte.

„Ich kann nicht hierbleiben. Ich würde es nicht aushalten.“

„Dann zöger nicht, sondern geh schnell.“

Ich gab ihr einen Kuss und ging.

Alle Namen sind geändert und die Geschichte ist zu größtem Teil von mir frei erfunden.

1 Kommentar »

  1. [...] Einschätzung: Bei “Keiner versteht mich“, angeblich “zum größtem Teil von mir frei erfunden”, ist der nicht-erfundene [...]

    Pingback von Also sprach Zarathustra « Hu — Januar 12, 2009 @ 22:26


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Kommentieren

Bloggen Sie auf WordPress.com.